Geschichten eines Vintage Schnitts – Tales of a vintage Pattern

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DE: Vor einigen Wochen hatte ich das große Glück auf EBay, ein Konvolut von 47 Schnittmuster aus den 60ger und 70ger Jahren, in meiner Größe,  für ein Appel und ein Ei ergattern zu können. Viele der Schnitte waren noch Original verpackt und in einem ausgezeichnetem Zustand. Ich stöberte erst eine Weile in den Schnitten und entschied mich dann für dieses Muster von The People 181. Durch IG habe ich erfahren, dass The People eine Englische Wochenendzeitung war und man die einzelnen angepriesenen Schnittmuster,  mit einem Brief bestellen konnte. So war das, vor dem Internet =D

EN: A few weeks ago I was able to win an Ebay auction of a lot of 47 vintage patterns from the 60s and 70s, in my size for a steal. A lot of the patterns had not even been used yet and were in pristine conditions. When the postman finally showed up with my treasures I spent quite a while just looking at all of them and wondering what their former owner might have sewn with them. I decided that the first thing I would sew was this dress by The People 181. Some wonderful people on IG informed me, that The People used to be a weekend newspaper and that you could call or write in to receive the patterns in the paper! This Ladies and Gentlemen, is what people used to do before the internet!

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DE:Als ich den Umschlag auseinander nahm, war ich erstaunt festzustellen, dass alle Schnittstücke schon Fabrikfertig in meiner Größe ausgeschnitten waren. Ein toller Service, warum machen wir das eigentlich heute nicht mehr?? Ich habe die Papierstücke nur noch bei geringer Hitze gebügelt und mich ans Stoff ausschneiden gewagt. Ich habe einen Marineblauen Leinen-Baumwollstoff gewählt, den ich schon eine Weile in meinem Lager hatte. Ich hatte genug von dem Stoff um vorab ein Probetop zu nahen, bei dem ich dann feststellt, dass ich das Top um 1.5 Zoll kürzen musste und die Schultern auch um 1 Zoll nach Innen verschieben musste. Die Abnäher habe ich dann angepasst, die Anleitung, bestehend aus 1 Seite Text und 2 Bildern, lieferte dazu eine ganz einfach Lösung. Als ich das Oberteil das zweite mal fertig stellte, fand ich die Ärmel etwas albern, das Oberteil past perfekt aber die Puffärmel wirkten total übertrieben und deshalb wanderten sie in die Tonne. Den Rock habe ich ohne irgendwelche Änderungen genäht, als ich damit fertig war, habe ich dann alles fertig gestellt und den Reißverschluß eingenäht. Ich war mit den Schultern immer noch nicht zufrieden und fand, es sah etwas altbacken aus, weil der Halsausschnitt doch sehr konservativ war. Ich beschloss also die Schultern  noch weitere  1.5 Zoll nach Innen zu verlegen, damit wirkte alles etwas moderner. Ich hätte vielleicht den Armausschnitt nicht verändern sollen, denn nun ist er einen ticken zu tief, aber dass mache ich beim nächsten Mal (ja es wird ein nächstes Mal geben!)  halt nicht.

EN: When I opened the envelope I was surprised to find all the pieces were already cut out by the factory ( this was one of the patterns that hadn’t been used before), why has this service gone out of fashion? I HATE CUTTING THINGS OUT!!! All I did was iron the paper pieces on a low heat to get rid of the creases. I used a navy blue linen-cotton fabric from Minervacrafts, that I’ve had in my stash for a while, it’s really lovely to work with.  As I had enough fabric, I made a quick toile of the bodice and determined, that I needed to shorten the bodice by 1.5 inches and take in the shoulders by 1 inch. The instructions are printed on  piece of paper, that also double as the envelope of the pattern itself. There is very little text, but they do tell you everything you need to know and there are 2 illustrations, one for how to cute out the fabric and one on how to lengthen or shorten the bodice. So I did the adjustments to the bodice, the darts and the shoulders and was quite pleased, with how it turned out. I left off the sleeves, as they were ridiculously puffy and made the whole dress look rather clownish! #noregrets  I did feel however, that the dress felt a bit dated, as the neckline was very conservative and shoulders were still a bit to long, so I took them in another 1.5 inches, which made the whole dress look a bit more modern. I should have left good enough be, and not have adjusted the arm cycle as well, as it is now a tad bit to low….. oh well, the next time (and there will be a next time) I won’t do that! I either pinked the seams or bound them with red bias binding, for a little bit of a contrast, also I kind of felt, that since I was making up a pattern that was so old, I should stay true to all the finishes from that era.

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DE: Ich war also unheimlich begeistert, dass mein fertiges Kleidungsstück so toll geworden ist! Mir gefallen die tollen Details wie die V-Förmigen Abnäher besonders gut und am allerbesten fand ich wie gut der Schnitt konzipiert war: Alle Teile passen zusammen, die Anleitung war zwar knapp, aber ich kam sehr gut damit zurecht und ich habe nicht stundenlang versucht irgendwelche schlecht entworfenen Schnittstücke zu etwas du formen, zu was sie eigentlich nicht geeignet sind. Mir hat dieser kleine Exkurs in die die Vergangenheit gezeigt, dass man früher eben Profis engagiert hat, um Schnittmuster zu entwerfen und dass man sich Gedanken über seine Kunden gemacht hat, alles einfach zu gestallten, damit auch Laien schöne Kleider damit nähen können, ohne sich die Haare ausreißen zu müssen. Da können sich einige Indie-Schnittmuster-Label, die hier nicht Namentlich genannt warden eine Scheibe abschneiden. Ich bin mittlerweile echt ein Schnittmuster-Snob geworden. Ich glaube, ich habe in der Vergangenheit oft die Fehler bei mir gesucht wenn beim nähen etwas schief gelaufen ist. Heute bin ich einfach ehrlich, wenn ich Stunden damit verbringen muss, um ein Kleidungsstück anpassen zu müssen, damit es halbwegs nach etwas aussieht, stehen die Chancen schlecht, dass ich mir noch ein weiteres Produkt von dem gleichem Label kaufe. Jetzt wo ich mir das von der Seele geschrieben habe, geht es mir deutlich besser!

EN: I’m rather chuffed with the way the dress turned out. I really love the details especially the V-shaped dart (why are they no longer in fashion?) and how the entire pattern came together. All the pattern pieces fit together, all the notches matched up, the instructions were albeit brief but to the point and I had no problem figuring out, what I needed to do and most importantly I didn’t spend hours trying to make poorly drafted pieced turn into a frock of my dreams and not my nightmares. It was a real reminder, that back in the day, pattern companies, employed professionals and really thought about their customers and therefore made products that anyone, whatever their sewing level was, were able to tackle successfully. I feel that a number of Indie-Pattern-Companies (which will remain nameless on this blog) that have sprouted out of the ground in the past few years, could really learn a thing or two from this. I for one have turned into a bit of a pattern snob, if I need to spend hours to make your pattern fit me and I am still not happy with the results, chances are I will not bother with your product again. Ok, now that I’ve gotten that of my chest, I feel so much better!

DE: Ich habe übrigens schon das zweite Vintage Schnittmuster ausgesucht, an das ich mich gerne trauen möchte und es ist auch von The People. Weitere Top gekleidete Damen findet ihr übrigens hier bei MeMadeMittwoch.

EN: I’ve already chosen the next vintage pattern, that I’d like to tackle, it will be another The People Dress. Please find other fantastically dressed ladies hier under MeMadeMittwoch.

12 thoughts on “Geschichten eines Vintage Schnitts – Tales of a vintage Pattern

  1. Sehr sehr Schick. Vintage Schnitte haben einfach das Gewisse Etwas und immer sehr hübsche Details, die man in modernen Schnitten so nicht mehr findet. So nähe ich jetzt auch bevorzugt mit Vintage Schnittmustern, mit dem richtigen Stoff, können diese auch sehr modern wirken, sofern gewünscht.
    Lg Sabine

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    1. Liebe Sabine,

      vielen Dank fuer deinen Kommentar. Da muss ich dir Recht geben, die kleinen Details machen wirklich etwas her und die Passform ist deutlich besser. Ich habe auch vor in naechster Zeit einige andere Vintage Schnitte zu vernaehen und moderne Stoffe zu verwenden.

      LG,

      Bianca

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  2. Oh was für ein zauberhaftes Kleid und feinen roten Details im Innenleben! Du bist keinesfalls ein Schnittmuster-Snob nur weil Du ordentliche Schnittmuster haben möchtest, die vernünftig konstruiert sind 😉 Ich meide Indie-Schnittmusterlabel weitgehend und setzte auf die bewährten großen Firmen. LG Kuestensocke

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    1. Es freut mich total, dass es dir genauso geht wie dir. Ich bin dieses Jahr wieder auf die grossen Firmen umgestiegen und habe mich danach wirklich gefragt, weshalb ich mimmer dachte, dass die altbacken sind! So viele frische Designs und SIE PASSEN!! LG, Bianca

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  3. Sehr spannend, was du für eine Erfahrung mit dem Vintage-Schnitt gemacht hast! ich finde dein angepasstes Kleid sehr schön und es steht dir gut. Puffärmel sind mir auch oft etwas zu viel. Es macht einfach Spaß, einen Schnitt zu nähen, der durchdacht ist, und bei dem die einzelnen Schnittteile genau passen.
    Lg, Christiane

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    1. Danke Christiane!
      Ja, die Puffaermel waeren einfach zu viel gewesen, ich freue mich aber sehr ueber die kleinen Details an diesem Schnitt und ueberlege schon wie ich sie in Zukunft mit anderen Schnitten kombinieren kann. LG, Bianca

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  4. Was für ein wunderbarer Fang! Gerade die Kleider der 60iger finde ich sehr schön mit wunderbaren Details, wie man ja an Deinem Schnitt / Kleid auch sieht. Diese schrägen Abnäher sind sehr besonders. Find’ ich super! LG, Tanja

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    1. Hallo Tanja,

      Vielen Dank fuer deine lieben Worte. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich so ein Schnaeppchen gemacht habe und muss dir Recht geben, die Details aus den 60igern sind wirklich schoen. Meine Hoffnung stirbt zuletzt, dass in Zukunft auch moderne Schnitte wieder anfangen kleine Details mit einzubringen. LG, Bianca

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